Um eine Farbe herzustellen, braucht es im Wesentlichen zwei Dinge: ein Pigment und ein Bindemittel. Diese einfache Kombination ist die Grundlage nahezu jeder Farbherstellung, von Ölfarbe über Aquarell bis hin zu Acryl- und Temperafarben. Schon Menschen in der Frühgeschichte verwendeten farbige Erden und Mineralien, um ihre Welt darzustellen. Doch was genau sind Pigmente, wo kommen sie her, und wie kann man sie heute verwenden? In diesem Blogbeitrag gehen wir diesen Fragen nach.
Pigmente sind fein gemahlene, farbige Pulverstoffe, die im Gegensatz zu Farbstoffen nicht löslich sind. Sie bleiben als feste Partikel im Bindemittel suspendiert und geben der Farbe ihre optische Kraft. Pigmente bilden somit die Grundlage für alle deckenden Farben und werden in der Malerei, beim Färben von Stoffen, in Tinten sowie in Lacken und Lasuren eingesetzt.
Die meisten Pigmente werden aus natürlichen Rohstoffen wie Erden, Mineralien oder Gesteinen gewonnen. Viele davon enthalten Metallverbindungen wie Eisen, Mangan oder Calcium. Diese werden durch Mahlen, Brennen, Trocknen und Sieben aufbereitet. Der Vorteil: Die meisten anorganischen Pigmente sind extrem lichtecht, vielseitig mischbar und sehr lange haltbar. Im Unterschied zu Farbstoffen – die oft pflanzlichen oder tierischen Ursprungs und wasserlöslich sind – behalten Pigmente ihre Struktur und Farbe über lange Zeiträume hinweg.
Ein besonders schönes Beispiel für traditionelle Pigmentherstellung ist die niederländische Farbmühle De Kat im Zaanstreek, nördlich von Amsterdam. Sie wurde 1781 erbaut und zählt heute zu den letzten funktionierenden Windmühlen Europas, in denen auf historische Weise Farbpigmente gemahlen werden. Seit den 1960er Jahren wird dort aktiv produziert, ganz ohne moderne Maschinen, sondern mit reiner Windkraft und tonnenschweren Mahlsteinen.
Geführt wird die Mühle von Müller Piet Kempenaar, der seit über 30 Jahren mit viel Fachwissen und Sorgfalt für einen reibungslosen Ablauf sorgt. In der Mühle werden grobe Rohstoffe wie Erze, Steine und Erden mit zwei gewaltigen Mahlsteinpaaren zerkleinert. In einem separaten Raum erfolgt anschließend die Feinstvermahlung. So entstehen Pigmente von höchster Qualität, die sowohl für professionelle Farben als auch für die künstlerische Eigenherstellung verwendet werden können. Pro Stunde können hier bis zu 80 Kilogramm Pigment verarbeitet werden.
Van Beek bezieht seine Pigmente ganz lokal produziert direkt von De Kat. Das Sortiment reicht von intensiven leuchtenden Farben über tiefe Erdtöne bis hin zu Schwarz- und Weißpigmenten, die sich hervorragend für individuelle Mischungen eignen.
Farben selbst herzustellen klingt zunächst vielleicht etwas ungewohnt, doch es ist einfacher, als man denkt, und bietet eine ganz neue, kreative Erfahrung. Ob du mit der Malerei gerade erst beginnst oder neue Wege ausprobieren möchtest: Das Arbeiten mit Pigmenten eröffnet dir die Möglichkeit, Farbe in ihrer reinsten Form kennenzulernen und nach deinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Alles, was du brauchst, sind ein farbiges Pigmentpulver, ein passendes Bindemittel (wie z. B. Leinöl für Ölfarben, Gummi arabicum für Aquarellfarben oder Acrylbinder) sowie ein einfaches Werkzeug zum Verreiben – zum Beispiel ein Mörser mit Pistill oder eine Glasläufer. Das Pigment wird dabei mit dem Bindemittel sorgfältig verrührt, bis eine geschmeidige Farbpaste entsteht. Je nach Pigmentart braucht es dabei etwas mehr oder weniger Bindemittel, mit etwas Übung bekommst du schnell ein Gefühl dafür.
Der Vorteil: Du bestimmst selbst, wie intensiv, deckend oder pastos deine Farbe sein soll. Es entstehen individuelle, lebendige Farbtöne, ganz ohne Zusatzstoffe. Außerdem lassen sich Pigmente nahezu unbegrenzt lagern, ohne dass sie austrocknen. So kannst du dir jederzeit frische Farbe genau nach deinem Bedarf anreiben.
Das Beste daran: Es macht Spaß, sich auf diesen ursprünglichen künstlerischen Prozess einzulassen – und oft entsteht gerade beim Selbermachen eine ganz besondere Verbindung zur Farbe.
Pigmente bestehen aus feinen, oft sehr leichten Partikeln, die sich beim Arbeiten leicht in der Luft verteilen können. Auch wenn viele Pigmente insbesondere natürliche Erdpigmente nicht giftig sind, sollte der feine Staub nicht eingeatmet oder verschluckt werden. Trage daher bei der Verarbeitung immer eine geeignete Mund- oder Staubmaske und arbeite möglichst in gut belüfteten Räumen. So schützt du deine Gesundheit und kannst sicher arbeiten.
Neben klassischen Erdfarben oder mineralischen Pigmenten gibt es auch die sogenannten Spezialpigmente für außergewöhnliche Effekte. Dazu zählen fluoreszierende Pigmente oder metallisch glänzende Pigmente wie die Schmincke Öl-Bronze Wet-Pigment-Serie. Letztere enthält bereits ein ölhaltiges Bindemittel und ist speziell für die Ölmalerei konzipiert. Diese Pigmente ermöglichen einen intensiven Metallglanz, eignen sich jedoch nicht für wasserbasierte Farbtypen wie Acrylfarbe oder Aquarellfarbe. Wer experimentieren möchte, kann Pigmente auch mit anderen Malmitteln kombinieren, um neue visuelle Wirkungen zu erzielen.
Wer mit Pigmenten arbeitet, erhält einen tiefen Einblick in die Grundlagen der Farbgestaltung. Ob für eigene Malfarben, künstlerische Experimente oder als bewusste Entscheidung für Handwerk und Qualität. Sie stehen für Geschichte, Materialwissen und kreative Freiheit. Mit den hochwertigen Pigmenten der Farbmühle De Kat verbindet sich traditionelles Handwerk mit modernem künstlerischem Anspruch, ein Erlebnis für alle, die Farbe von Grund auf verstehen und gestalten wollen.
Techniken
01 June 2023
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