Wenn du regelmäßig mit Farben, Lösungsmitteln oder anderen Künstler-Materialien arbeitest, bist du vielleicht schon mal über den Begriff Sicherheitsdatenblatt oder SDS (Safety Data Sheet) gestolpert. Aber was genau steht da eigentlich drin – und warum gibt es in den USA und Deutschland unterschiedliche Systeme? Zeit für ein bisschen Aufklärung!
In den Vereinigten Staaten wird alles rund um Sicherheitsdatenblätter von der Occupational Safety and Health Administration geregelt. Diese folgt bei der Kennzeichnung gefährlicher Stoffe dem GHS-System – also dem „Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals“. Klingt trocken, ist aber wichtig: Ein SDS beschreibt genau, welche Gefahren von einem Produkt ausgehen, wie man es sicher verwendet und entsorgt. Typischerweise hat ein amerikanisches SDS 16 Abschnitte, zum Beispiel Produktinformationen, Gefahrenbeschreibung, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Handhabung und Lagerung sowie Entsorgungshinweise. Das gilt natürlich auch für Künstlerfarben, Lacke, Lösungsmittel oder Pigmente. Hersteller wie Golden, Liquitex, Gamblin oder Krylon stellen auf ihren Websites für jedes Produkt ein SDS bereit – meist als PDF zum Download.
In Deutschland heißt dieses Dokument Sicherheitsdatenblatt oder kurz SDB. Die Grundlage dafür ist die REACH-Verordnung und die CLP-Verordnung , die beide das GHS-System innerhalb der Europäischen Union umsetzen. Auch hier gilt: Ein Sicherheitsdatenblatt ist verpflichtend, sobald ein Produkt als gefährlich eingestuft wird – also zum Beispiel reizend, ätzend, giftig oder umweltgefährdend – und es muss in deutscher Sprache vorliegen. Das betrifft beispielsweise Ätzlösungen wie Eisen(III)-chlorid, Lösungsmittel wie Terpentinersatz oder bestimmte Öl- und Lackfarben mit riskanten Bestandteilen. Hersteller wie Schmincke, Lukas oder Kremer Pigmente stellen ihre Sicherheitsdatenblätter direkt online zur Verfügung, oft sogar freiwillig für Produkte, die gar nicht als gefährlich gelten, etwa Acrylfarben oder Gouache.
Obwohl SDS und SDB auf dem gleichen internationalen GHS-System basieren, gibt es einige Unterschiede. In den USA gilt der Hazard Communication Standard der OSHA, in Deutschland die REACH- und CLP-Verordnung. Während in den USA englische Signalwörter wie „Danger“ oder „Warning“ verwendet werden, arbeiten die europäischen Sicherheitsdatenblätter mit den sogenannten H- und P-Sätzen, also standardisierten Gefahren- und Sicherheitshinweisen. Außerdem müssen sie immer in der Landessprache des jeweiligen EU-Landes vorliegen. Beide Systeme dienen demselben Ziel, nämlich dem Schutz von Menschen und Umwelt, unterscheiden sich aber in der Ausführung und in der rechtlichen Verantwortung. Auch europäische Sicherheitsdatenblätter haben 16 Abschnitte.
Ein Sicherheitsdatenblatt mag auf den ersten Blick kompliziert wirken, aber es folgt einer klaren Struktur mit 16 Abschnitten. Jeder Abschnitt erklärt dir genau, worauf du achten musst – von der Handhabung bis zur Entsorgung.
Für Künstlerinnen und Künstler sind diese Informationen nicht nur für die Theorie interessant. Wer regelmäßig mit Lösungsmitteln, Pigmenten oder Ätzchemikalien arbeitet, sollte wissen, was in den Materialien steckt. Ein Blick in das Sicherheitsdatenblatt kann verraten, ob Handschuhe oder eine Maske sinnvoll sind, wie Rückstände richtig entsorgt werden oder ob bestimmte Stoffe allergische Reaktionen auslösen können. Auch wer mit älteren Materialien arbeitet, profitiert davon, denn manche Pigmente oder Lösungsmittel, die früher gängig waren, gelten heute als gesundheitlich bedenklich.
Beim Arbeiten im Atelier begegnen Künstlerinnen und Künstlern immer wieder Materialien, die gesundheitliche Risiken bergen können. Es lohnt sich, die wichtigsten Gefahrenstoffe zu kennen und entsprechend sicher damit umzugehen.
Besonders kritisch sind Lösungsmittel wie Terpentin oder Verdünner. Sie sind leicht entzündlich, ihre Dämpfe können die Atemwege reizen und bei längerer Exposition gesundheitsschädlich sein. Deshalb ist es besonders wichtig, beim Umgang und bei der Lagerung vorsichtig zu sein. Schon kleine Funken oder eine offene Flamme können dazu führen, dass sich die Lösungsmittel entzünden. Selbst ein Stromschalter oder ein anderes elektrisches Gerät kann gefährlich werden, wenn genügend Dämpfe in der Luft vorhanden sind. In Räumen ohne gute Belüftung können sich die Dämpfe zudem ansammeln und die Brandgefahr deutlich erhöhen. Daher sollte immer für ausreichend Luftzirkulation im Atelier gesorgt werden, um das Risiko zu minimieren.
Auch ätzende Chemikalien, etwa Eisen(III)-chlorid beim Radieren, können Haut und Augen stark schädigen. Schutzbrille, Schutzhandschuhe und eine abgedeckte Arbeitsfläche sind hier Pflicht. Zudem ist es wichtig, die Lösungen fachgerecht zu entsorgen und nicht in den normalen Abfluss zu schütten.
Ein weiterer Risikobereich sind Pigmente, insbesondere solche mit Cadmium, Kobalt oder Chrom. Beim Einatmen von Staub oder beim Verschlucken können diese Substanzen toxisch wirken. Daher empfiehlt es sich, beim Umgang mit dem Puder Handschuhe und bei Bedarf eine Staubmaske zu tragen, sowie die Arbeitsfläche sauber zu halten.
Nicht zuletzt können Öle, Harze und Sprühfarben problematisch sein. Leinöl, Kolophonium oder Epoxidharze können Allergien auslösen, während Sprühfarben durch Lösungsmittelinhalation und Entflammbarkeit gefährlich werden. Auch hier gilt: gut lüften, Handschuhe tragen und bei Sprüharbeiten eine Maske benutzen.
Sicherheitsdatenblätter sind kein bürokratischer Ballast, sondern eine wertvolle Informationsquelle für sicheres und bewusstes Arbeiten im Atelier. Sie zeigen, dass selbst hinter der schönsten Farbe ein Stück Chemie steckt – und dass Wissen darüber genauso wichtig sein kann wie künstlerisches Können. Wenn du das nächste Mal eine neue Farbe ausprobierst oder ein ungewöhnliches Material testest, wirf ruhig einen Blick ins Datenblatt. Es kostet kaum Zeit, schützt dich aber auf lange Sicht – und gibt dir das gute Gefühl, mit deinem Material wirklich vertraut zu sein.
Materialien
09 April 2024
Acrylfarbe verdünnen
Im Gegensatz zu Ölfarbe, bei der man mit mehr oder weniger aggressiven Lösungsmitteln hantieren muss, kann man bei Acrylfarbe einfach mit Wasser arbeiten. Aber genau wie weit kann man Acrylfarbe mit Wasser verdünnen? Und gibt es noch andere, bessere Optionen?
Techniken
02 January 2025
Ölmalerei ohne Lösungsmittel
Das Malen mit Ölfarben hat eine lange und reiche Tradition. Doch viele zögern, Ölfarben zu verwenden, da oft angenommen wird, dass dabei gesundheitsschädliche Lösungsmittel wie Terpentin oder Testbenzin erforderlich sind. Hier zeigen wir dir, wie es ohne geht!
Kleuren
26 September 2025
Beliebte Aquarellfarben: Die wichtigsten Farbtöne, die du zu Hause haben solltest
Egal, ob du gerade erst mit der Aquarellmalerei anfängst oder schon etwas Erfahrung hast – in diesem Blog findest du hilfreiche Tipps, die dir dabei helfen, deine perfekte Farbpalette zusammenzustellen. Viel Spaß beim Entdecken und Ausprobieren!