Tempera gehört zu den ältesten Maltechniken der Kunstgeschichte und beeindruckt bis heute durch ihre Farbbrillanz und Langlebigkeit. Die aus natürlichen Bestandteilen hergestellte Emulsionsfarbe bietet eine spannende Alternative zu Öl- und Acrylfarben. Ob selbst angerührt oder fertig aus der Tube – Tempera eröffnet dir vielfältige gestalterische Möglichkeiten und ein anregendes Arbeiten.
Farben bestehen grundsätzlich aus zwei Komponenten: Pigmenten und einem Bindemittel. Trägt man Pigmente ohne Bindemittel auf einen Malgrund auf, haften sie nicht dauerhaft und sind leicht entfernbar. Schon in der Frühgeschichte fanden Menschen daher Wege, Pigmente mit natürlichen Substanzen zu binden – so etwa in den berühmten Höhlenmalereien, bei denen Kalk und Wasser als Bindemittel genutzt wurden. Auch Harze, Eiweiß und sogar Blut kamen zum Einsatz.
Dieses Prinzip liegt auch der Temperamalerei zugrunde. Der Begriff Tempera stammt vom lateinischen „temperare“ – mischen, ins richtige Verhältnis bringen. Temperafarben sind Farben, bei denen Pigmente in eine Wasser-Öl-Emulsion eingebunden werden. Es handelt sich also um eine Emulsionsfarbe, bei der sich wasser- und öllösliche Bestandteile zu einem feinen Gleichgewicht verbinden.
Tempera ist eine der ältesten bekannten Maltechniken. Bereits in der Antike wurde sie verwendet, bekannte Beispiele sind die ägyptischen Mumienporträts, die auf Holztafeln mit Ei-Tempera gemalt wurden. Auch in der mittelalterlichen Ikonenmalerei und bei großen Altartafeln der Frührenaissance war Tempera die bevorzugte Technik, bis sie im 15. Jahrhundert allmählich von der Ölmalerei abgelöst wurde.
Im Unterschied zur Enkaustik, bei der mit heißem Wachs gearbeitet wird, kommt die Tempera ohne Hitze und ohne lösungsmittelhaltige Zusatzstoffe aus. Sie ist daher auch heute wieder für viele Künstlerinnen und Künstler eine attraktive und nachhaltige Alternative.
Ein großer Vorteil der Temperafarben liegt in ihrer Alterungsbeständigkeit. Die Farben vergilben kaum, bleiben über Jahrhunderte stabil und zeigen kaum Rissbildung, ganz im Gegensatz zu Ölfarben, bei denen Spannungen durch Oxidation zu sichtbaren Rissen führen können. Bei Temperafarben nutzt das sich ausdehnende Öl die Hohlräume, die durch verdunstetes Wasser entstehen, das macht die Technik dauerhaft und flexibel.
Zudem haben Temperafarben eine besondere Haptik und wirken je nach Mischungsverhältnis seidig-matt bis leicht glänzend. Sie trocknen zügig, aber nicht zu schnell, sodass sie sich gut bearbeiten und auch in mehreren Schichten auftragen lassen. Für alle, die neue Techniken ausprobieren und ihren künstlerischen Horizont erweitern wollen, ist Tempera eine lohnenswerte Entdeckung.
Es gibt zahlreiche Variationen der Temperamalerei. Die Unterscheidung erfolgt meist nach dem verwendeten Bindemittel innerhalb der Emulsion. So gibt es Ei-Tempera (klassisch mit Eigelb oder Ganzem Ei), Kasein-Tempera (Milchprotein als Bindemittel), Stärke- oder Mehl-Tempera und Seifen-Tempera.
Für die bildende Kunst spielen insbesondere Ei-Tempera und Kasein-Tempera eine große Rolle. Man unterscheidet außerdem zwischen Fetter Tempera (höherer Ölanteil) und Magerer Tempera (höherer Wasseranteil).
Diese Unterschiede wirken sich auf Trocknung, Glanz, Deckkraft und Verlaufseigenschaften aus und eröffnen große gestalterische Vielfalt.
Die Ei-Tempera zählt zu den bekanntesten Tempera-Arten. Eigelb enthält natürliche Emulgatoren und Öle, die Pigmente hervorragend binden. Die Herstellung ist einfach: Das Ei (wahlweise mit oder ohne Eiweiß) wird aufgeschlagen und gut verrührt. Anschließend wird Leinöl und destilliertes Wasser zugegeben – idealerweise im Verhältnis 1:1:1-3 – und schließlich mit Pigmenten angerieben.
Schon in der Zeit des bekannten niederländischen Malers Jan van Eyck experimentierte man mit der Zugabe von Harzen und Ölen, um die Trocknungszeit zu beschleunigen und die Farbbrillanz zu verbessern. Diese Technik markiert den Übergang von der reinen Tempera zur frühen Ölmalerei.
Oft werden Tempera und Gouache verwechselt – doch sie unterscheiden sich deutlich: Während Temperafarben eine Emulsion aus Wasser und Öl verwenden, besteht Gouache hauptsächlich aus Pigmenten und Gummi Arabicum als Bindemittel. Daher hat Gouache eine samtmatte, kreidige Oberfläche, während Tempera eher seidenglänzend bis samtig wirkt.
Ein weiterer Unterschied: Temperafarben werden noch heute oft frisch hergestellt, während Gouache in Tuben dauerhaft haltbar ist. Das Arbeiten mit frischer Tempera kann eine besondere Verbindung zum Material schaffen ideal für experimentierfreudige Künstler.
Ein großer Reiz der Temperamalerei liegt in der Möglichkeit, Farben selbst herzustellen. Mit wenigen Materialien kann man die eigene Farbpalette anrühren, hervorragend geeignet für alle, die sich für historische Techniken, natürliche Materialien und die handwerkliche Seite der Malerei interessieren.
Im Folgenden findest du ein einfaches Rezept für die Herstellung von magerer Eitempera mit Leinöl.
Du brauchst:
So wird das Bindemittel hergestellt:
Dein Bindemittel ist nun fertig. Es sollte leicht viskos sein, eine milchige Farbe haben und eine feine Emulsion bilden, nicht zu ölig, nicht zu dünn.
So entsteht die Farbe:
Wichtig: Diese Art von Temperafarbe ist nicht länger lagerfähig. Da Ei und Wasser schnell verderben, solltest du immer nur kleine Mengen anmischen und sie möglichst am selben Tag verbrauchen.
Magere Ei-Tempera eignet sich ideal für erste Versuche mit selbst hergestellter Farbe und bietet eine tolle Möglichkeit, das eigene Verständnis für Pigmente, Bindemittel und Malprozesse zu vertiefen.
Du musst Temperafarben nicht zwingend selbst anrühren, es gibt auch hochwertige, fertig gemischte Produkte. Besonders bekannt ist die Ei-Tempera-Farbe der französischen Traditionsmarke Sennelier. Bereits im Jahr 1895 entwickelte Gustave Sennelier auf Grundlage historischer Rezepturen der alten Meister eine gebrauchsfertige Farbe, die die Vorzüge klassischer Tempera mit moderner Haltbarkeit verbindet.
Die Sennelier Tempera sind perfekt für alle, die direkt loslegen möchten, ohne auf Authentizität und Qualität zu verzichten. Die Farben von Sennelier bieten ein ausgewogenes Verhältnis aus Bindemittel und Pigment, sind gut konserviert und lassen sich hervorragend verarbeiten.
Gemalt wird mit Tempera wie mit anderen Farben auch: Pinsel, Mischpalette, Wasserbehälter – alles ist vertraut. Als Malgründe eignen sich besonders gut grundierte Holztafeln, aber auch Karton oder dickeres Papier sind möglich. Wichtig ist ein leicht saugender Untergrund.
Für den Einstieg bieten viele Hersteller wie z. B. Sennelier fertige Ei-Tempera-Farben in Tuben an, ideal zum Ausprobieren, bevor man selbst anrührt.
Tempera ist eine faszinierende Verbindung aus Tradition, Handwerk und moderner Experimentierfreude. Sie ermöglicht eine natürliche, ungiftige Malweise, bietet eine breite Palette gestalterischer Möglichkeiten und eröffnet neue Perspektiven für alle, die mit Farbe arbeiten. Bist du neugierig, die Welt der Tempera Farben selber zu erforschen, dann schau dich gerne in unserem Onlineshop um! Bei weiteren Fragen steht dir unser Kundenservice gerne mit fachkundiger Beratung zur Seite
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