Ölfarben bestehen aus Pigmenten und einem pflanzlichen Öl, meist Leinöl, Safloröl, Mohnöl oder Walnussöl. Das Etikett auf der Tube liefert wichtige Informationen über Pigmentqualität, Deckkraft, Bindemittel, Lichtechtheit, Trocknungszeit, Transparenz und Sicherheitsaspekte. Im Vergleich zu Acrylfarben geht die Kennzeichnung bei Ölfarben oft deutlich tiefer – das Verständnis des Etiketts ist entscheidend, um fundierte Farbentscheidungen treffen zu können.
Ein typisches Etikett enthält die folgenden Angaben: Farbname, Farbcode, Pigmentcode (Colour Index), Art des Bindemittels (Leinöl, Safloröl, Mohnöl, Walnussöl), Serie oder Preiskategorie, Inhalt, Deckkraftsymbol, Lichtechtheitsbewertung und manchmal Hinweise zur Trocknungszeit. Diese Informationen helfen Künstlerinnen und Künstlern, die Eigenschaften der Farbe richtig einzuschätzen und gezielt auszuwählen.
Ölfarben werden von den Pigmenten bestimmt. Pigmentcodes zeigen genau, welche Pigmente enthalten sind, z. B. PB29, PR101 oder PW6. Dies ist oft die wichtigste Angabe auf dem Etikett.
Die Buchstaben stehen für die Pigmentfarbe: PB = Pigment Blue (Blau), PR = Pigment Red (Rot), PY = Pigment Yellow (Gelb), während die Zahl den spezifischen Pigmentcode bezeichnet. Das Pigment beeinflusst Mischverhalten, Lichtechtheit, Toxizität und Preis der Farbe.
Single-Pigment-Farben (also Farben, die mit nur einem Pigment hergestellt werden) lassen sich vorhersehbar mischen, während Mehrpigmentfarben komplexeres Verhalten zeigen und leichter schlammige Töne erzeugen können. Diese Information wird klar auf dem Etikett angegeben. Siehst du mehrere Pigmentcodes? Dann handelt es sich sicher um eine Mehrpigmentfarbe.
Ölfarben können verschiedene trocknende Öle enthalten, die manchmal auf Qualitätsfarbetiketten angegeben sind. Die Ölsorte beeinflusst Vergilbung, Trocknungszeit und Glanz.
Diese Angaben helfen Künstlerinnen und Künstlern, die Farbwirkung und Haltbarkeit richtig einzuschätzen.
Die Symbole auf Ölfarben-Etiketten geben Auskunft darüber, ob eine Farbe transparent, halbabdeckend oder deckend ist. Transparente Farben eignen sich besonders für Lasur-Techniken, bei denen dünne Farbschichten übereinandergelegt werden, um Tiefe und leuchtende Farbwirkungen zu erzielen. Viele Pigmente sind von Natur aus nicht deckend, daher sollte man nicht davon ausgehen, dass jede Ölfarbe voll deckt. Nur spezielle Pigmente, wie diejenigen auf Cadmium-Basis, erzeugen sehr deckende Farbtöne.
Die Deckkraft einer Ölfarbe wird durch Symbole auf dem Etikett angezeigt: Ein offenes Quadrat steht für transparente Farben, ein halbgefülltes Quadrat für halbabdeckende Farben und ein gefülltes Quadrat für deckende Farben. Manche Hersteller ergänzen diese Symbole zusätzlich mit Textangaben wie „opaque“ (deckend) oder „transparent“.
Einige Hersteller kennzeichnen ihre Farben auf dem Etikett explizit mit Angaben wie „transparent". Dieser Hinweis zeigt deutlich, dass sich die jeweilige Farbe besonders gut für Lasur-Techniken eignet, bei denen mehrere dünne Farbschichten übereinandergelegt werden, um Tiefe und Farbnuancen zu erzeugen. Solche Farbtöne behalten auch beim Übermalen ihre Transparenz, was sie unverzichtbar für feine Farbverläufe und subtile Schattierungen macht.
Die Lichtechtheit einer Ölfarbe wird auf dem Etikett häufig durch Angaben wie ASTM I oder II ausgewiesen. ASTM steht für die American Society for Testing and Materials, heute bekannt als ASTM International. Diese Kennzeichnung gibt an, wie beständig ein Pigment gegenüber Licht und UV-Strahlung ist. Farben mit hoher Lichtechtheit behalten ihre Intensität und Reinheit über Jahrzehnte, während Pigmente mit niedriger Lichtechtheit im Laufe der Zeit verblassen oder sich verfärben können. Zusätzlich verwenden manche Hersteller ein Sternensystem: *** = ausgezeichnet, ** = gut, * = gering. Künstler sollten diese Angaben beachten, um die langfristige Haltbarkeit ihrer Werke sicherzustellen.
ASTM I = ausgezeichnet, II = sehr gut, III = gering. Qualitätsfarben liegen fast immer bei I oder II.
Manche Hersteller verwenden *** = ausgezeichnet, ** = gut, * = gering. Weniger Sterne bedeuten schnellere Farbveränderungen.
Die Trocknungszeit von Ölfarben hängt sowohl vom verwendeten Pigment als auch vom Bindemittelöl ab. Manche Hersteller geben auf dem Etikett Hinweise wie „slow drying“ (langsam trocknend), „medium drying“ (mittel) oder „fast drying“ (schnell trocknend), andere nennen konkrete Zeitangaben, z. B. „touch dry in 2–5 days“. Häufig fehlen solche Angaben jedoch, sodass Künstler ihre Erfahrungen oder Produktinformationen aus Farbfächern zur Abschätzung nutzen müssen.
Wichtig zu wissen ist, dass Ölfarben in der Regel durch Oxidation trocknen, nicht einfach durch Verdunstung. Das bedeutet, dass die Farbe beim Trocknen Sauerstoff aus der Luft aufnimmt und dabei einen festen Film bildet, was auch zu leichtem Schrumpfen der Farbschicht führen kann. Diese Eigenschaft ist besonders relevant bei Schichttechniken, da dünne und dicke Schichten unterschiedlich schnell trocknen und die Flexibilität der unteren Farbschichten beeinflussen.
Die Trocknungszeit betrifft meist nur die Oberflächentrockenheit, nicht die vollständige Aushärtung, die je nach Schichtdicke, Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur deutlich länger dauern kann. Sie beeinflusst, wie Farben übereinandergeschichtet, welche Mischtechniken eingesetzt und wie flexibel die Farbschicht bleibt. Ein gutes Verständnis dieser Zusammenhänge hilft Künstlern, ungewollte Risse oder ungleichmäßige Trocknung zu vermeiden.
Auf vielen Ölfarben-Etiketten wird eine Serienangabe wie „Serie 1–5“ gemacht. Diese Nummern geben die Preisklasse der Farbe an, die in der Regel von den Kosten der verwendeten Pigmente abhängt. Höhere Serien enthalten häufig teurere, reine Pigmente wie Kobalt, Cadmium oder echte Ultramarinblau-Pigmente, während niedrigere Serien oft Mischpigmente oder weniger intensive Farbtöne verwenden.
Die Serie sagt jedoch nicht nur etwas über den Preis aus: Sie gibt auch Hinweise auf die Reinheit und Farbstärke der Pigmente. Künstler können diese Informationen gezielt nutzen, um ihre Farbpalette zu planen, etwa für hochwertige Einzelwerke, bei denen höchste Pigmentreinheit und Farbstabilität erforderlich sind, oder für Studien und Skizzen, bei denen günstigere Serien ausreichend sind.
Auf Ölfarben-Etiketten finden sich häufig Hinweise zu potenziell gesundheitsschädlichen Pigmenten, wie zum Beispiel Cadmium- oder Kobaltverbindungen. Auch die enthaltenen Lösungsmittel und Zusatzstoffe können gesundheitliche Risiken bergen, insbesondere beim Einatmen von Dämpfen oder Staub.
Viele Hersteller kennzeichnen solche Gefahren zusätzlich mit GHS-Piktogrammen (Globally Harmonized System), die auf Reizwirkung, Toxizität oder Umweltgefährdung hinweisen. Beispiele sind Symbole für giftige Stoffe, Umweltgefährdung oder Reizwirkung auf Haut und Augen. Künstler sollten diese Hinweise unbedingt beachten, um geeignete Schutzmaßnahmen wie Handschuhe, ausreichende Belüftung oder Atemschutz beim Arbeiten zu nutzen.
Darüber hinaus bieten manche Hersteller „Hue“-Varianten an, die das Erscheinungsbild teurer oder riskanter Pigmente nachahmen, aber weniger toxisch sind. Solche Informationen helfen Künstlern, fundierte Entscheidungen für eine sichere und nachhaltige Arbeitsweise zu treffen.
Ölfarben sind in der Regel sehr langlebig und können viele Jahre verwendet werden, wenn sie richtig gelagert werden. Auch wenn Angaben wie Chargennummern oder eine „PAO“ (Period After Opening) auf Ölfarben-Etiketten selten zu finden sind, lohnt es sich, die Farbe kühl, trocken und luftdicht aufzubewahren.
Eine sachgerechte Lagerung verhindert vorzeitige Oxidation des Öls, die Bildung einer Haut auf der Farbe oder das Verhärten der Farbe in der Tube. So bleiben Fließfähigkeit, Farbkraft und Trocknungseigenschaften der Ölfarbe über lange Zeit erhalten. Künstler sollten deshalb immer darauf achten, die Tuben nach Gebrauch fest zu verschließen und an einem geeigneten Lagerort aufzubewahren.
Bevor man eine Tube auswählt, sollten Künstlerinnen und Künstler folgende Punkte kontrollieren:
Materialien
05 January 2024
Ein Blick auf die Unterschiede zwischen Öl- und Acrylfarben
Wenn du mit dem Malen beginnst, wirst du mit einigen wichtigen Fragen konfrontiert. Eine davon ist die Wahl der richtigen Farbe. In diesem Blog erzählen wir dir alles über die Unterschiede zwischen Öl- und Acrylfarben.